Donnerstag, 5. Februar 2009

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Das ist es. Ich hab die Lösung gefunden. Sie ist die einzige, die mir langsam aber sicher einfällt und sie ist simpel und gut:
Ich werde einfach Alkoholiker.
Ja, so einfach ist das. Ich gehe arbeiten und Ehemann und einkaufen mit Ehemann und Romantikwochenende mit Ehemann und Familie mit Ehemann und sich total scharf anziehen und mit mir zum Billa gehen und dann heim zum Ehemann und dann daheim verrückt werden vor Kummer, jeden einzelnen Tag. Gerade noch bis zur Haustür schaff ich es fast immer, bis ich dann am Boden kauere im Vorzimmer, mit Jacke und Schal und Rucksack noch in irgendeiner Form auf meinem Körper.
DANN kommt ab jetzt der Alkohol ins Spiel.
Es ist schon alles wurschter, wenn man betrunken ist. Ich merke es gerade. Also werd ich mich einfach regelmäßig ansaufen. Mir egal in welcher Form. Ist nicht so als würde sich irgendwer dafür interessieren, ob ich mich ansaufe oder nicht. Ob ich mich alleine ansaufe, in der Wohnung, oder ob ich mich in der Gruppe ansaufe. Mich eigentlich am allerwenigsten, hab ich gerade festgestellt. Genauso ist es ja auch nicht so als würde sich auch nur irgendwer für irgendwas interessieren, was ich so tue, hier in dieser schönen wunderbaren grauen dreckingen verkommenen Riesenstadt in der alles und jeder scheiße ist. Es gibt keine Gruppe.
Nachdem ich eh nix vertrage wird das ganze Unterfangen auch billig.
Wow, das ist eigentlich eine ziemlich einfache Idee. Aber sie funktioniert schon mal im Ansatz ziemlich gut. Auch das merk ich gerade.
Dann hab ich etwas, auf was ich mich freuen kann. Nach der Arbeit betrunken sein. Alles, was ich tagtäglich erlebe, wo ich am liebsten schreiend davonlaufen würde, aber so tun muss als wäre alles großartig und schön, alles woran ich so denke wenn ich dort bin oder schon daheim bin wird dann letzten Endes wurscht sein. Alle Menschen werden wurscht sein. Denn ich werde durch einen dichten Nebel von Alkohol nichts mehr erkennen.
Ich hätte schon viel früher draufkommen sollen. Klar, irgendwann ist jeder Rausch aus und ich bin wieder in der dämlichen Realität, aber danach werde ich auch wieder mal wieder irgendwann betrunken sein und darauf muss ich halt hinarbeiten. Das ist dann mein Trost. Damit ich irgendetwas habe worauf ich hinarbeiten kann. Um nicht vollkommen verrückt zu werden.
Ich bin der geborene Verlierer, also werde ich das machen was wir Verlierer immer tun: Wir scheißen drauf und trinken.

Was für ein Tag. Ein Tag, an dem man endlich Erkenntnisse hat, ist ein guter Tag.

Sonntag, 4. Januar 2009

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2009 also. Zu Weihnachten sehr viel Familie. Und irgendwie sentimental. Und Silvester nicht schlecht, sturzbetrunken.

Fotos von London. Sie vermeidet es, Fotos zu zeigen auf denen jemand zu sehen ist. Die Weihnachtsbeleuchtung am Schwedenplatz leuchtet, während sie links von mir mit der Beleuchtung um die Wette leuchtet. Sie strahlt. Sie hat eine Kapuze auf wegen der Kälte, aber ich sehe trotzdem ihr Gesicht. Sie lacht. Endlich scheint es ihr besser zu gehen. Das ist wie ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk.

Wie schon tausendmal zuvor nimmt mein Zufriedenheitsgefühl, meine gute Laune mehr ab, je länger es her ist dass ich mich von ihr verabschiedet habe. Solange sie neben mir geht, mir gegenüber sitzt, ist es schön. Gut. Wir sind zu zweit, wir sind das alte Team, wir reden, wir hören zu, wir wünschen einander das Beste, wir streiten, wir ziehen uns gegenseitig auf, wir schütteln den Kopf über den anderen à la "bei dir ist Hopfen und Malz verloren" - wir kommen rüber wie ein altes Ehepaar. Wir haben diese... Sache. Dieses Etwas, diese Beziehung zueinander. Die uns irgendwie nicht voneinander loskommen lässt. Ich brauche sie und sie braucht mich. Auf die eine oder andere Art und Weise.
Aber ich muss immer wieder weggehen von ihr. Und das ist es erst, was so... grauslich ist. Einsamkeit. Wie es wieder sein wird wenn ich sie eines Tages dann nicht mehr täglich sehe, das weiß ich nicht. Daran will ich einfach nicht denken.

Egal wie dieses Spiel ausgeht, wie es weitergeht im neuen Jahr - ich bin auf keinem Fall der Gewinner. Aber das macht nichts, ich habe es jetzt kapiert. Ich bin kein Gewinnertyp. Ich kriege nie das Mädchen. Am allerwenigsten sie, denn sie ist die Traumfrau. Die Frau, die dir das Gefühl gibt, es muss wohl doch sowas wie einen Gott geben, denn wer sonst könnte jemanden wie sie erschaffen. Etwas in ihr ist oft zerbrochen, kaputt wegen dem was ihr alles passiert ist, sie ist... ein tragischer Charakter in diesem Spiel. Ich will sie immer wieder versuchen hinzubiegen, hinzukriegen. Sie ist die Superlative, die man nicht vergessen kann, die es schwer bis unmöglich macht, an jemand anderen zu denken als an sie. Und es passt wie die Faust aufs Auge, dass diese Superlative, diese Traumfrau natürlich vergeben ist. Das wird sich nicht ändern, wie sehr ich auch kämpfen mag um sie - und ich habe 2008 mal um sie gekämpft, obwohl ich wusste dass es vergebens ist.

Alles andere wäre auch Glück. Glück braucht man, um zu gewinnen. Und gewinnen ist nicht so mein Ding.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

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Es ist Sommer und wir reden, in der Küche, zu zweit. Psychotherapiesitzung. Ich höre ihr zu. Als sie fertig ist, strecke ich meine linke Hand aus und sie ihre rechte, und ich drücke ihre Hand. Wir lächeln beide. Anschließend räuspern wir uns und stehen auf, verlassen die Küche. Sie schreibt mir dass es schön war, während ich mich für die Berührung entschuldige.

Es ist Winter und wir reden, gar nicht. Wir reden nicht. Wir gehen nebeneinander und ich liebe sie jeden einzelnen Tag aber sie schweigt, sie will in Ruhe gelassen werden. Sie redet einfach über gar nichts mehr mit mir.

Es ist Februar und ich schreibe ihr, dass sie in die Küche kommen soll, jetzt sofort. Und ich falle ihr dort um den Hals, weil ich mich so freue und sie strahlt wie zehn Tage Sonnenschein. Sie war so überglücklich und deswegen war ich es ebenso.

Es ist Juni, und sie schenkt mir Dinge zum Geburtstag.

Es ist März, und der Blick in ihren Augen ist herzzereißend. Wir gehen nebeneinander am Schwedenplatz und unsere Arme berühren sich ein paar mal unbeabsichtigt, während sie redet und redet und nicht mehr aufzhören scheint. Und nie liebte ich sie mehr als an diesem Abend, als ich von der größten Ungerechtigkeit die ihr geschehen konnte in aller Ausführlichkeit erfuhr, als wir am Schwedenplatz spazieren gingen und ich das in ihren Augen sah, was ich sah. Ich wollte alles und jeden umbringen der ihr auch nur jemals ein Haar krümmen würde.

Es ist November, und ich schlage mit ihr abends die Zeit tot, indem ich sie in einen Elektroladen schleife, in dem dann ein Stromausfall gibt und wir deswegen viel länger brauchen als gedacht, bis wir an der Kasse vorbei sind.

Es ist Dezember und ich sauge jeden Augenkontakt auf wie ein Schwamm, denn er wird immer seltener. Ich denke an den Sommer, an diesen Tag als ich ihre Hand berührt habe in der Küche, ich denke immer wieder daran.

Es ist November, und wir sitzen nach dem Elektroladen-Abenteuer zu zweit bei McDonalds und albern lachend herum.

Es ist Winter und ich fühle diese Kälte. Es gab soviele Monate, an denen ich mich ihr nahe fühlte, in denen wir tausend Dinge miteinander geschrieben oder gesprochen haben. Es ist Winter und Ich fühle ihre Nähe, neben mir, aber es ist alles so kalt. Wir erzählen anderen von Dingen, die wir einander erzählt haben, die wir miteinander erlebt haben.
Aber es ist alles eigentlich nur noch aus Gewohnheit, weil wir monatelang gemeinsam unterwegs waren. Und es ist alles so kalt. So verdammt eiskalt. Und wenn sie mir tausendmal sagt, dass es nichts mit mir zu tun hat - es ist trotzdem eiskalt.
Wir waren einmal ein Team. Ein verdammt gutes Team. Jetzt fühlt es sich so an als würden wir aus Gewohnheit miteinander reden. Und nebeneinander gehen.

I , I still remember, how you looked that afternooon.
There was only you.

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