Keine Ahnung, was da jetzt kommt. Wie es kommt.
Aber irgendwas wird schon passieren.
("2008" klingt eher nach einem Science-Fiction-Jahr als nach Realität)
räbreie - 2008/01/01 13:41
Auch wenn wir irgendwie jedes Jahr weniger werden: Wir sind doch hier. Wir sind wir. Wir verwenden diese Begriffe "wir" und "uns", weil wir nicht vergessen haben, wo wir herkommen. Alle haben wir unser neues Leben, mit einer Million anderer Menschen, die wir viel öfters sehen und daher genauso mögen lernen wie einander. Und dennoch sind wir hier, jedes Jahr aufs neue. Nur das zählt. Egal wie lange, egal wie oft. Hauptsache diese Treffen kommen zustande. Je länger wir einander kennen, desto schwieriger wird es werden, aber es ist auch sehr einfach, jemanden zu mögen mit dem man jeden Tag zu tun hat. Das was wir machen ist nicht so einfach.
Wir waren nicht die beste Gemeinschaft. Sonst wären wir heute noch mehr. Aber wir kennen uns noch - und heute und sonst auch ist es so wie früher. Es hat alles etwas so vertrautes.
Es kommt einem vor wie ein vergangenes Leben. Mindestens 10 Jahre her. Dabei sind es erst zweieinhalb. Wir verändern uns durch unser neues Leben, aber nicht heute. Heute sind wir immer noch wir. Sind wieder "wir". Obwohl wir keine perfekte Gemeinschaft waren, haben wir uns immer noch nicht satt, liegt uns immer noch etwas daran dass wir dieses alte "wir" wieder aufleben lassen, dass wir uns sehen, und das merkt man jedem einzelnen an der Nasenspitze an.
Dieses "wir" wird mir jedes Jahr wichtiger. Es zeigt von Beständigkeit. Es gibt einem ein Bisschen was von diesem Leben zurück, das nicht weniger verrückt war als das jetzige, aber wenigstens fühlte man sich jünger, es lag viel mehr vor einem, mehr Möglichkeiten, weniger Gedanken um die Zukunft. Man WAR jünger. Die Jahre ziehen so schnell ins Land, und trotzdem kommen einem gewisse Momente wie ewig lange her vor, wegen den Menschen, die alle in der Zwischenzeit getroffen haben. Ein Jahr ist gar nichts. In einem Jahr kann sich einfach alles ändern, zuvor völlig unbekannte Menschen die engsten Vertrauten werden, und alte Freunde völlig vergessen. Wie wird es wohl sein wenn wirklich 10 Jahre vergangen sind? Sind "wir" dann noch in irgendeiner Form da?
Ich werde der Gemeinschaft treu bleiben. Auch wenn wir immer weniger werden, wenn die Veränderungen wichtiger werden als das Wir. Ich werde trotzdem dabei sein. Immer.
räbreie - 2007/12/23 02:31
"Tut mir leid dass ich mich heute nicht so gefreut hab."
"..."
"Was mach ich ohne dich?"
"Hör auf, ich hab eh schon ein schlechtes Gewissen."
Du Idiot. Sagst Dinge die ihr ein schlechtes Gewissen machen. Einer schwangeren Frau. Mein Gott.
"... Ein schlechtes Gewissen brauchst du nicht haben. Ahh... Ich... Nein, also ich freu mich."
"Na, das glaub ich dir aber jetzt nicht."
Gerechtfertigt.
"Pass auf, ich beweis es dir", sage ich als wir an der Ecke stehenbleiben, und falle ihr um den Hals. Keine Ahnung warum. Als ob sie das irgendwie...
"Das war lieb."
Ich glaube gerade in diesem Moment , dass ich ihr noch gar nicht richtig gratuliert habe, also sage ich:
"Alles Gute." Es passt natürlich irgendwie nicht.
"He, du weißt aber schon dass ich morgen noch komm...?" Stimmt. Morgen und den Tag danach. Und noch viele Tage. Es dauert noch ein paar Monate. Monate, die wie Tage verinnen.
"Ja, nur so generell. Mein ich." Wow, sind meine Schuhspitzen interessant. "Das wichtigste ist dass das Kind gesund ist. Das ist das allerwichtigste." Mein Gott, ich rede auch nur damit ich irgendetwas sage.
"Ich besuch euch dann. Damit ihr auch was davon habt. Ich schick dir dann ein Mail, wann es günstig ist."
Irgendwie will ich weg. Ich will nichts über Mails von der Zukunft hören - immerhin hab ich mir gerade erst eingeredet, dass noch Zeit ist. Ich will die Zukunft fürs Erste vergessen.
"Das besprech ma dann."
"Ok."
Pause. Die verheiratete, schwangere Frau, die zur Handvoll Normalen im Irrenhaus gehört, die im Job die engste Vertraute ist, wirkt so verlegen wie ich. Ich bin egoistisch. Ich kann mich nicht richtig für sie freuen. Dazu ist die Tatsache dass sie bald nicht mehr da ist, viel zu beschissen. Ich bin derjenige mit dem schlechten Gewissen. Und sie... nein...
"Dann bis morgen."
"Ja, bis morgen."
Eine Frau spricht mich in der U-Bahn an. Ich höre nicht was sie sagt, nehme den linken Ohrstöpsel raus, höre noch ein flehendes "Bitte". Klar, was sonst. "Nein", sage ich, ein wenig zu laut, weil ich noch einen Ohrstöpsel drinnen habe. Sie geht weiter.
There's no telling where we'll be in a day or in a week. And there's no promises of peace or of happiness.
räbreie - 2007/12/03 18:43