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Donnerstag, 12. November 2009

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Es ist so wie wenn man im Hinterkopf hat "naja wenns noch schlimmer wird, kann ich ja immerhin noch Selbstmord begehen" und man das eh nur denkt, weil man insgeheim weiß, dass man es eh nie durchziehen würde.
Und genauso denkt man "Hey, ich werde kündigen. Aus. Es reicht."
Und man sagt sich das und schreibt Bewerbungen, um irgendwie auszudrücken, wie sehr es einem stinkt, dort zu arbeiten.
Und dann führt man ein Bewerbungsgespräch und versucht halt sein Bestes, was, nicht besonders viel ist (der eigenen Meinung nach), um sich später nicht vorwerfen zu müssen man habe nicht alles menschenmögliche getan um weg zu kommen, von der jetzigen Arbeit.

Und dann wollen die einen wirklich, in dieser neuen Bude. Das Unglaubliche ist plötzlich real, das ggf. wird zu einem ist
Und man denkt darüber nach, zu kündigen, man denkt darüber nach, ganz woanders zu sein als jetzt und was ganz anderes zu machen, wirklich und echt und kein hypothetisches Fluchtmittel mehr vor dem Alltag sondern Realität, zum Greifen nahe - und plötzlich merkt man, dass man kündigen will - aber es gerade nicht kann. Klassischer Fall von kalte Füße. Man hat nie damit gerechnet, dass es wirklich sein könnte, dass das alles nicht nur als Ausdrucksmittel für die eigene Wut auf den Job sein kann, sondern dass es wirklich zu einem neuen Job führen könnte. Zu Veränderungen. Aber dabei stinken Veränderungen doch.

Das Problem ist dass es alles so SCHNELL ging. So verflucht schnell. Ich konnte es nicht glauben, nicht erfassen, nicht begreifen. Ich habe zuviel in die ganze Sache investiert, zu viel Energie. Zu viel "Versuchen wir es mal, wirds ja eh nix" wurde zu einem echten "Ja, doch, es wird was."

Das ist wie wenn du immer denkst der letzte Ausweg ist Selbstmord, wenns nicht mehr schlimmer kommen kann - und plötzlich merkst du, dass dir der Ausweg viel schlimmer vorkommt als das Hier und Jetzt. Du lernst, das Hier und Jetzt irgendwie zu schätzen, du vergleichst es mit anderen Da und Dorts.
Es ist nirgendwo perfekt. In keinem Job. Und der Job, den du jetzt hast - da weißt du zumindest was dich erwartet, du musst dich nicht übermäßig ärgern - denn du kennst schon alles, über das du dich geärgert hast. Es ist nun mal so.

Neues macht dir offenbar viel mehr Angst als das was jetzt ist. Du hast Angst, es könnte beschissener sein als das Hier und das Jetzt, und du weißt, dass es dann kein Zurück gibt.

Du könntest auch alles auf sie schieben, könntest sagen, dass, wenn sie nicht da wäre, es total leicht wäre das berufliche Hier und Jetzt aufzugeben, aber das stimmt nicht. Du hängst an dem beruflichen Hier und Jetzt, ob du es willst oder nicht. Du hängst dich rein für das Hier und Jetzt, auch wenn es noch so beschissen ist. Du hängst dich für den Status Quo, für das was ist, rein. Und du redest dir wieder ein, dass du gehen wirst, sollte es beschissener werden. Jaja, ihr werdet schon sehen, ich schreibe dann wieder Bewerbungen, und die werden mich dann schon nehmen, Ha ha!
Aber das wirst du nicht. Und wenn du dich bewirbst, kriegst du wieder kalte Füße. Was ist nur los mit dir.

Du wartest darauf, dass sich alles von selbst erledigt. Nur nicht selber die Hosen raufziehen und die Sache in die Hand nehmen - warten bis das Schicksal zuschlägt und deinen kostbaren Job ins Klo runterspült - und dann kannst du sagen "Ich konnte nichts dafür, ich bin gefeuert worden. :(" Und dann kannst du wirklich in Ruhe einen Job suchen, denn dann bleibt dir nichts anderes mehr übrig.

Ich schätze, das ist es. Ich kann nur in Ruhe Job suchen. Neben dem beschissenen Hier und Jetzt geht das nicht. Ich nehme nicht den erstbesten Job, wenn ich das Gefühl habe es gibt einen Haken. Das war es auch dieses Mal. Ich hatte das dumpfe Gefühl, es hat einen Haken. Dieses Gefühl blieb. Es sorgte dafür, dass ich mit einem Stirnrunzeln das Gebäude verließ und mir dachte "Will ich hier sein?". Vielleicht rede ich mir dieses Gefühl auch nur ein und beiße mich für die nicht genutzte Chance mal in den Allerwertesten (Teufel, nicht nur "vielleicht" - ganz sicher werde ich das tun), aber es ist da. Es bewirkt, dass mir der Gedanke "Ich muss heute oder morgen kündigen" ultraschlecht wurde und sich alles gedreht hat - und dass mir von dem Gefühl, dass ich ca. zwei Stunden später hatte, nämlich "Ich kann nicht kündigen. Ich bleib noch eine Weile hier", es mir sofort wesentlich besser ging.

Und das war das Ausschlaggebende. Ich bleibe, wegen eines Gefühls, das ich hatte. Und alles im Zusammenhang mit dieser Bewerbung war umsonst - aber ich kann zumindest sagen ich habe es versucht. Ich habe es versucht und bin gescheitert an der unglaublichen Tatsache dass ich es mag, dass alles so bleibt wie es ist. Das ist stärker als alles andere. Das ist im Grunde genommen schon absurd dämlich. Aber es ist so.

Man bleibt und ärgert sich über Sachen, über die man sich nicht mehr ärgern solllte - weil es überall etwas zu ärgern gibt. Weil kein Job toll oder perfekt ist. Weil überall Arschlöcher herumsitzen, herumrennen, herumstehen, und man an sie gerät, mit ihnen arbeiten muss - denn auch Arschlöcher müssen arbeiten. Es gibt Unterschiede in den Details bei den Jobs, Unterschiede die einen beruflich glücklicher oder unglücklicher machen können. Aber ich denke, das macht es nicht aus. Die Details. Das Meiste ist gleich, überall.

Und deshalb ist es wohl für mich wohl so tröstlich, dass ich zumindest kenne, was mich erwartet.

Deswegen bleibe ich dann wohl auch.

Es wird nicht alles so bleiben, wie jetzt. Alles ändert sich ständig. Das wird nicht das letzte Mal sein, dass ich Bewerbungen verschicke. Wenn es schlimmer wird, kann ich ja immer noch kündigen...

Mittwoch, 23. September 2009

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Der Donaukanal leuchtet im üblichen ungesunden grau-grün. Aber die Sonne scheint. Es ist heiß draußen, 27 Grad angeblich. Könnte stimmen. Ein beschissener Tag liegt hinter uns, und es war der vorvorletzte von unseren gemeinsamen Tagen. Es liegen also noch genug beschissenere Tage vor mir. Was vor ihr liegt, weiß ich noch nicht so ganz. Sie auch nicht. Aber wir machen eben noch das Beste draus. Ich hab damit angefangen, heute das Beste daraus zu machen, und ich bin froh dass sie auch dafür war.
Links der Donaukanal und rechts sie, bin ich froh endlich den Kopf frei zu kriegen und mal etwas schönes um mich zu haben.
Wir laufen beide in T-Shirts, alles was wir darüber anhatten tragen wir am Arm. Weil es so heiß ist. Wir kommen an einer misstrauisch blickenden, auf einer Parkbank sitzenden Besitzerin eines Hundewelpens vorbei. Sie quiekt natürlich vor Begeisterung über das zugegebenermaßen ganz niedliche Tier. Der Hund kommt tollpatschig auf uns zu und sie streichelt ihn. Sie fragt die misstrauische Besitzerin, wie alt er ist. Die misstrauische Besitzerin erwidert, uns misstrauisch musternd, dass er acht Wochen alt ist. "Und da bist du schon so groß?", fragt sie den Hund. Sie grinst. Ich sehe nur zu und mich interessiert der Hund kein bisschen. Ich weiß nicht, wie groß acht Wochen alte Hunde sein sollten und will es auch nicht wissen. Sie stiehlt dem Hund die Show, wenn sie mit dem Hund spielt. Jedenfalls ist das meine, subjektive Meinung. Ich merke dann, wie sehr mir dieser Moment hier gefällt. Ich bin froh. Mehr brauch ich nicht, nur das hier. Alles andere ist mir gerade egal, ich denke gar nicht daran, ich genieße das hier lieber. Es hat nicht einmal etwas Bittersüßes an sich. Es ist einfach nur schön.
Ich mag immer so gehen, hier, an diesem hässlichen Ufer. Ich bin glücklich, für einen kleinen Spaziergang lang, wo ich alles vergesse und lieber beobachte, wie die Leute auf uns beide reagieren. Sogar der dämliche Hund hat irgendwie dazugepasst zu diesem Nachmittag.
Sie deutet auf den Weg rechts, der auf die Straße führt.
"Da rauf oder weiter vorne?"
"Mir ist es egal."
"Jetzt sag halt was."
"Du bist der Chef."
"Bin ich gar nicht. Will ich auch gar nicht sein."
"Sicher." (du Sturste der Sturen)
"Na dann geh ma halt weiter vorne."
"Siehst, ich hab doch gesagt dass du der Chef bist."
"Na wenn du nix sagst?!"
"Eben, ich sag nix, ich entscheide nix, du hast entschieden - also bist du der Chef."
Als ich einen Blick zu ihr mache, seh ich nur ein Auge hinter den blonden Haaren hervorlinsen. Es sieht nach vorn. Plötzlich schüttelt der ganze Kopf.
"Is ja eh egal ob ich der Chef bin, du hörst ja sowieso nicht auf mich."
Nach einer Denkpause, meine ich:
"Das stimmt wohl."
Sie lächelt.
Und ich lächle.

Und wir gehen weiter, zu zweit.
Und meistens ärgern wir uns gegenseitig.
Das machen wir eben so.

Es ist sehr schön in der Sonne.

Dienstag, 22. September 2009

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Tag des "Tut mir leid".

Das war's dann, Joel. Es ist bald weg.
Ich weiß.
Was sollen wir tun?
Es genießen.

Sie redet über irgendwas und mir fällt nichts ein, was ich erwidern könnte. Etwas normales.
Mir ist nicht danach. Dazu schwebt dieses etwas im Raum, es steht etwas zwischen uns, heute, was sie zu überspielen versucht hat - für mich nicht besonders erfolgreich.
Also sage ich:

"Tut mir leid dass ich es so schwer mache."
"Wenn es dadurch für dich leichter ist... dann machen wir es schwer."
Das ist es garantiert nicht. Aber das sage ich nicht. Ich sage:
"Ich weiß nicht..."


"Schau nicht so."
"Tut mir leid."
"Mir fällt es auch nicht leicht."


Sie starrt ins Leere. Nicht zu mir. "Es tut mir so leid, dass ich dich zurück lasse."
Ich sehe sie an und sage, nach einer Pause: "Schon okay."

Es ist Jänner. Oder Februar.
Unser liebevoller Kleinkrieg ist auf dem Höhepunkt.
Als ich sie nerve, droht sie mir ihre volle Wasserflasche zuzuwerfen.
Ich höre nicth auf und denke, dass sie blufft.
Doch sie blufft nicht, sondern wirft.
Und ich werde nass.

Und sie sagt grinsend und mit funkelnden Augen: "Das nächste Mal weißt du, dass ich wenn ich das mache, was ich sage."
Und ich finde es irritierend.
Doch sie hat recht.
Sie macht immer das, was sie sagt.
Das macht sie wirklich immer.
Sie ist stur wie ein Bock.
So stur dass man mit ihr zu streiten beginnt.
Und sich mit ihr Wortgefechte liefert.
Und sich ärgert, wie man nur so stur sein kann.
Und sich ärgert, warum man das an jemandem schätzen kann.
Sogar mit ihr zu streiten liebt.
Alles liebt.


"Ich bin nicht weit weg, das heißt ich muss ohnehin zu dir kommen, wenn ich dich wieder mal mit Wasser anspritzen möchte."

"Diese Erlebnisse waren nicht die letzten die wir beide gehabt haben, da folgen noch welche."

Ja. Wahrscheinlich.

"Nimm es nicht so schwer."
"Ja. Komm gut nach Hause."
"Du auch. Bis morgen."



"Bis

morgen."

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